Ein kleiner Nachtrag zu “Killerspielen”

Ich habe eben diesen Artikel gelesen: Bayerns Innenminister bei “Killerspielen” kontra JU und katholische Jugend.

Zunächst mal: Respekt an Herrn Stefan Müller. Er scheint sich vielleicht mal mit dem Thema auseinandergesetzt zu haben bzw. haut mal nicht in die gleiche Kerbe. Ist doch erfrischend.
Erbärmlich finde ich dagegen das Abmeiern dieses Standpunktes durch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. Sollte das Zitat des Heise-Artikels denn wirklich sein Wortlaut gewesen sein, finde ich das doch schon sehr hochnäsig und arrogant.
Nun gut. Vielleicht liegt es auch zum Teil daran, dass ich meist Politiker sowieso schon hochnäsig und arrogant finde. Aber nur zum Teil. Ich lasse mich auch gern vom Gegenteil überzeugen.

Aber zurück zum Thema. Ursprung der Diskussion ist wohl, dass Karlsruher OB Heinz Fenrich die Intel Friday Night Games stattfinden lässt, anstatt sie zu verbieten. Das stösst den selbsternannten Moralwächtern (das wollen Sie einem zumindest weismachen) wohl sauer auf. Sonst gäbe es wohl die schön nach außen getragene (imho lächerliche) Forderung eines Verbots auch nicht.

Das ist doch einfach nur Wahlkampf in Reinkultur! Und sowas widert mich an. Unter dem Deckmantel, etwas “Gutes” für die Menschheit zu tun und sich damit brüsten. E-KEL-HAFT!
(Genauso ist es ja auch mit den völlig wirkungslosen Internetsperren. Gleiche Kerbe. Ihr wisst schon.)

OK. Schon wieder am Abschweifen. Ich finde ja auch, dass menschenverachtende und übermäßig brutale Spiele doof sind. Sie machen keinen Spaß und… nun. Sagen wir mal so: ich verstehe die Faszination nicht. Zusätzlich gehört sowas auch nicht in Kinderhände. Soweit bin ich ja schonmal auf Kurs. Auch ohne politische Lügen, Meinungsmache und Propaganda.
ABER: Solche spiele sind ja auch nicht für Kinder und Jugendliche freigegeben. Wenn die Kids dennoch an solche (für sie ungeeigneten) Spiele kommen und diese spielen… dann haben die Eltern doch versagt!
Da kann mir auch keiner was anderes erzählen. Kids haben erstens nicht genug Geld sich einen aktuellen PC zu leisten, auf dem diese Spiele laufen. Wer kauft also dieses Teil? Richtig. Die Eltern. Zweitens sind die Eltern dann (imho) auch dazu verpflichtet, zu gucken, was die Kids damit anstellen.

Das mal dazu. Was sind aber solche “Killerspiele”? Solche übermäßig brutalen und menschenverachtenden Spiele? Spiele, die nur das möglichst brutale Metzeln von wehrlosen Menschen für mehr Punkte zum Inhalt haben?
Sollte das etwa “Counter-Strike” sein? Oder “Unreal Tournament”? Oder sogar “World of Warcraft”? Ich glaube nicht. WoW oder auch C&C sind Echtzeit-Strategie-Spiele. Meist mit Fantasy-Szenarien oder an die Realität angelehnte Szenarien. Das ist ja sehr beliebt und auch gängige Praxis in der Spieleindustrie (Überall. Nicht nur Videospiele).
Bei Ego-Shootern hingegen kommen wir schon deutlich näher an das so schön erfundene Feindbild Killerspiele. Widersprüche: Die Gegner sind nicht wehrlos. Es gibt mehrere Möglichkeiten, das Spiel zu gewinnen / das andere Team zu besiegen. Es gibt kein “möglichst grausames Metzeln für mehr Punkte” der Gegner. Spielinhalt ist Teamfähigkeit, sportlicher Wettbewerb.

Videospiele wie Ego-Shooter sind (wie ich schon vorher sagte) eben Teil der Jugendkultur. Wenn das nicht verstanden wird… dann können wir auch gleich zurück zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Zur Verteufelung von Rock’n'Roll oder auch den Hippies.

*ARGH*
Ich reg mich schon wieder über die Inkompetenz von Politikern auf. Über die Unwilligkeit, mal über den Tellerrand zu schauen. Über den verlogenen Wahlkampf. Über populistische Verbalkotze.

Ich hör dann jetzt mal auf. Dafür war mein Blog nämlich nicht gedacht. Aber es musste mal raus. =)

— UPDATE —
Kaum geschrieben… gleich schon das Update: Die Veranstaltung fällt aus.

Allerdings kommt Turtle Entertainment den Politikern zuvor und sagt von sich aus das Event ab.

“Wir haben den Eindruck, im Karlsruher Kommunalwahlkampf instrumentalisiert zu werden”, teilen die Veranstalter mit.

Mit dem Eindruck steht TE ja (zumindest bei mir) nicht allein da. Auch, wenn ich von Karlsruhe sehr weit entfernt bin.
Mal sehen, wie sich die ganze Sache noch entwickelt. Hoffentlich wird auch weiter darüber berichtet.

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